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Eishockey-Strafen erklärt

Illustration: Ein Schiedsrichter an der Bande hebt den Arm für eine angezeigte Strafe, daneben sitzt ein junger Spieler auf der Strafbank, im Hintergrund spielen Kinder auf dem Eis.

Das Wichtigste

Ein Pfiff, ein Arm in der Luft und ein Spieler, der zur Strafbank fährt: Im Eishockey passiert das ständig, und vom Spielfeldrand ist nicht immer klar, warum. Hier steht, welche Strafen es gibt, wie lange sie dauern und was bei den Jüngsten anders läuft. Die Grundlage ist das Regelbuch des internationalen Verbands (IIHF), das auch im Spielbetrieb des Bayerischen Eissport-Verbands (BEV) herangezogen wird.

Welche Strafen gibt es, und wie lange dauern sie?

  • Kleine Strafe: 2 Minuten

    Der Spieler sitzt auf der Strafbank, die Mannschaft spielt in Unterzahl. Ein Tor des Gegners beendet die Strafe.

  • Kleine Bankstrafe: 2 Minuten

    Der Verstoß kommt von der Bank, zum Beispiel zu viele Spieler auf dem Eis. Ein Mitspieler, den der Trainer bestimmt, sitzt die Zeit ab.

  • Doppelte kleine Strafe: 2 + 2 Minuten

    Zum Beispiel für den Versuch eines Kopfstoßes, Stockendenstoßes oder Stockstichs. Der Spieler sitzt vier Minuten, es sind zwei kleine Strafen nacheinander, und kein Ersatzspieler darf kommen. Trifft der Gegner schon, während die Strafe nur angezeigt ist, bleiben 2 Minuten.

  • Große Strafe: 5 Minuten

    Für Vergehen, die den Gegner gefährden. Ein Tor beendet sie nicht, der Spieler bleibt die ganzen 5 Minuten draußen. Nach dem IIHF-Regelbuch kommt bei bestimmten Vergehen, zum Beispiel einem Check von hinten, automatisch eine Spieldauerdisziplinarstrafe dazu. Im BEV-Nachwuchs kommt zu jeder Großen Strafe automatisch eine Spieldauerdisziplinarstrafe dazu.

  • Disziplinarstrafe: 10 Minuten

    Der Spieler sitzt, aber die Mannschaft darf sofort ersetzen und bleibt vollzählig. Zum Beispiel bei Beschimpfungen.

  • Spieldauerdisziplinarstrafe: Rest des Spiels

    Der Spieler ist für den Rest des Spiels raus, ein Mitspieler darf ihn ersetzen. Der Verband kann weitere Maßnahmen ergreifen.

Regel
Eine zweite Disziplinarstrafe oder eine zweite große Strafe im selben Spiel ergibt automatisch eine Spieldauerdisziplinarstrafe. Im BEV gibt es zusätzlich die Matchstrafe für rücksichtslose Gefährdung. Der Spieler ist raus, und der Verband entscheidet über die Sperre.

Warum hebt der Schiedsrichter nur den Arm?

Hat die Mannschaft den Puck, die gegen die Regeln verstoßen hat, pfeift der Schiedsrichter sofort. Hat dagegen der Gegner den Puck, hebt der Schiedsrichter den Arm und lässt weiterspielen. Abgepfiffen wird erst, wenn die fehlbare Mannschaft den Puck wieder hat. So verliert die Mannschaft, die nicht gefoult hat, ihren Vorteil nicht.

Regel
Trifft die Mannschaft ohne Verstoß in dieser Zeit, entfällt eine angezeigte kleine Strafe. Bei einer doppelten kleinen Strafe bleiben dann 2 Minuten. Große Strafen werden trotzdem verhängt.

Was passiert bei einem Tor während der Strafe?

  • Kleine Strafe: Trifft der Gegner, während die Mannschaft in Unterzahl ist, endet die erste dieser Strafen sofort. Das gilt nicht bei einem Tor durch Penaltyschuss.
  • Große Strafe: Sie läuft immer komplett ab, auch nach einem Tor.
  • Gleichzeitige Strafen: Bekommen beide Mannschaften gleich viele gleich lange kleine Strafen, sitzen die Spieler ab, aber beide Teams dürfen sofort ersetzen. Keine Mannschaft ist dann in Unterzahl.
  • Anspiel: Nach einer Strafe gibt es meist ein Bully in der Zone der bestraften Mannschaft.

Wofür gibt es welche Strafe?

Das Regelbuch listet die Vergehen nach Strafart. Die wichtigsten Beispiele, wie sie dort einsortiert sind:

  • Kleine Strafe

    Halten, Haken, Beinstellen, Behinderung, Stockschlag, hoher Stock, Spielverzögerung, illegale Ausrüstung

  • Kleine Bankstrafe

    Zu viele Spieler auf dem Eis, falscher Wechsel, unsportliches Verhalten der Bank

  • Doppelte kleine Strafe

    Versuch eines Kopfstoßes, Stockendenstoßes oder Stockstichs, hoher Stock mit versehentlicher Verletzung

  • Große Strafe

    Check von hinten, Bandencheck, Check gegen den Kopf, Kniecheck, Ellbogencheck, Stockstich, gefährliche Aktionen

  • Disziplinarstrafe

    Beschimpfen von Offiziellen, beleidigende Sprache, Stock gegen Bande oder Scheibe schlagen, Weigerung nach Verwarnung, die Ausrüstung zu wechseln

Kann abweichen
Beim Spieler selbst ist unsportliches Verhalten eine kleine Strafe. Wie ein Vergehen genau beurteilt wird, entscheidet der Schiedsrichter nach den Umständen. Dieselbe Szene kann deshalb mal eine kleine und mal eine große Strafe sein.

Wer sitzt, wenn der Torhüter bestraft wird?

Ein Torhüter sitzt bei kleinen und großen Strafen sowie bei Disziplinarstrafen nicht selbst auf der Strafbank. Ein Mitspieler sitzt die Zeit ab, der zum Zeitpunkt des Pfiffs auf dem Eis stand. Den Spieler bestimmt der Trainer über den Kapitän.

Was ist bei den Jüngsten anders?

Das Regelbuch gilt für alle Altersklassen. Die jüngsten Kinder spielen aber nach eigenen Abläufen. Im BEV gilt in der Saison 2026/27 für U11 und U9:

  • Körperloses Eishockey: Körperchecks sind in U11, U9 und U7 unzulässig.
  • Kleine Strafe: Das Spiel läuft weiter. Der Spieler setzt sich bis zum nächsten Wechsel auf die Bank, sein Block spielt bis dahin mit einem Spieler weniger. Danach spielt der nächste Block wieder vollzählig. Eine dritte kleine Strafe im selben Block entfällt.
  • Große Strafe: Der Spieler geht sofort in die Kabine, das Spiel wird unterbrochen. Die nächsten Blöcke spielen mit einem Spieler weniger, bis die 5 Minuten vorbei sind.
  • Sperren: Bei einer Spieldauerdisziplinarstrafe ist der Spieler auch für das nächste Meisterschaftsspiel gesperrt (Freundschaftsspiele zählen nicht; U9: für das laufende und das nächste Turnierspiel). Wer in einer Saison die dritte 10-Minuten-Strafe bekommt, fehlt im nächsten Meisterschaftsspiel.
  • Time-out: Gibt es in U11, U9 und U7 nicht.
Kann abweichen
Andere Landesverbände regeln das in eigenen Bestimmungen. Mehr zu Blöcken, Wechseln und Spielformen steht im Eishockey-ABC.

Gibt es Strafen für falsche Ausrüstung?

Ja. Sitzt die Schutzausrüstung nicht regelkonform, zum Beispiel ein hochgeschobenes Visier, ein fehlender Ohrenschutz oder ein falsch getragener Halsschutz, muss der Spieler zur Bank und es gibt eine Verwarnung für die Mannschaft. Danach gibt es im BEV für jeden weiteren gleichartigen Verstoß in dieser Mannschaft eine kleine Strafe. Spielt ein Spieler trotzdem weiter mit falscher Ausrüstung, folgt eine Disziplinarstrafe.

Regel
Fällt der Helm während des Spiels ab, muss der Spieler sofort das Eis verlassen. Er darf ihn nicht auf dem Eis wieder aufsetzen.
Eltern-Tipp
Was im Spielbetrieb Pflicht ist, steht im Ratgeber Ausrüstung fürs Kind.

Und wir Eltern am Spielfeldrand?

Strafen betreffen auch das Publikum. Im BEV werden Zuschauer, die Schiedsrichter körperlich angreifen oder Gegenstände auf sie werfen, sofort des Stadions verwiesen und mit einem Stadionverbot belegt. Der Heimverein muss die Personalien aufnehmen, soweit das rechtlich zulässig ist.

Stand: · Regeln der IIHF, im BEV Saison 2026/27. Andere Verbände können abweichen.

Quellen & Regelstand

  • IIHF, Offizielles Regelbuch 2026/27: Regeln 9.6 (Helme), 15 bis 24 (Strafarten, angezeigte Strafe, Tor bei Strafe, Penaltyschuss), 27 (Strafen für Torhüter) und Anhang IV, Tabellen 2 bis 8 (Vergehen je Strafart).
  • Bayerischer Eissport-Verband, Durchführungsbestimmungen Eishockey 2026/27: Stand 12.09.2026, Ziffern 3.4.2.2 (körperloses Spiel U11, U9, U7; Große Strafe und Matchstrafe), 3.4.2.4 und 3.4.2.5 (Sperren), 4.1.8 (unkorrekte Ausrüstung), 4.5.2 (Schutz der Schiedsrichter) und Anlage D Ziffer 9.8 (Strafen und Sperren in U11 und U9).